Eine moderne Übersetzung von Descartes' berühmtem Frühwerk "Compendium Musicæ" (Abriss der Musik). Diese Ausgabe enthält ein analytisches Nachwort des Übersetzers, eine detaillierte Zeitleiste zu Descartes' Leben sowie Zusammenfassungen seiner Werke. Die 1619 vollendete Schrift ist Descartes' erste bedeutende Arbeit und dokumentiert die Genese seines rationalistischen Denkens am Beispiel der Musiktheorie.
Dieser pionierhafte Text bricht mit der mystisch numerologischen Tradition der pythagoreischen Harmonielehre und begründet eine moderne musikalische Akustik. Descartes argumentiert, dass das ästhetische Vergnügen nicht metaphysisch, sondern durch die rationale Analyse von Schallwellen, Proportionsverhältnissen und deren physiologischer Wirkung auf das menschliche Sensorium verstanden werden muss. Das Werk fungiert als methodologische Brücke zwischen abstracter Mathematik ("Mathesis universalis") und der subjektiven menschlichen Wahrnehmung.
Descartes verfasste diese Abhandlung als Geschenk für Isaac Beeckman während seines Aufenthalts in Breda. Sie antizipiert die spätere mechanistische Philosophie, indem sie Klang als physikalische Bewegung der Luft definiert. Der Text analysiert Parameter wie Dauer und Tonhöhe (Frequenz) und deren Fähigkeit, Affekte zu modulieren. Besonders innovativ ist Descartes' Ansatz, Konsonanz und Dissonanz nicht als absolute kosmische Gegebenheiten, sondern in Relation zur kognitiven Verarbeitungskapazität des Hörers zu setzen. Er thematisiert, wie musikalische Strukturen insbesondere Rhythmus und Metrum den "thierischen Geistern" (esprits animaux) im Körper Impulse geben und so unwillkürliche körperliche Reaktionen wie den Tanzantrieb auslösen. Damit leistet das Werk einen frühen Beitrag zur psychophysiologischen Ästhetik und zur Affektenlehre des Barock.