Zwölfte Sammlung der Novellen

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Auszug: "Ich war Student in Bonn, im zweiten Semester. Da es aber schon das sechste meiner ganzen Studienzeit war, hatte ich die tugendhaftesten Entschlüsse gefaßt, ehe mir das Moos gar zu üppig auf dem Scheitel wüchse, der grenzenlosen Zerstreuung meines Dichtens und Trachtens, der ich mich im Sommer überlassen, in diesem Winter endlich zu entsagen und mich auf wenige Aufgaben zu beschränken. Bei alledem sah mein Studienplan noch immer bunt genug aus. Die griechische Mythologie des ehrwürdigen alten Welcker, der mich mit väterlicher Güte aufgenommen, durfte ich nicht schwänzen. Cicero's Briefe, von Jacob Bernays erklärt, hatten durch sich selbst und den mir nah befreundeten Interpreten den lebendigsten Reiz für mich. Des alten Brandis Aesthetik mußte ich wohl oder übel besuchen, weil ich oft mit einem einzigen Anderen, der später durch seine »Anna Lise« bewies, daß er das Lehrgeld umsonst bezahlt hatte und trotz aller systematischen Doctrin ein ästhetischer Naturbursch geblieben war, das Zustandekommen der Vorlesung möglich machte. Blieben noch, außer der Göttlichen Komödie bei Diez, für den häuslichen Fleiß das spanische Theater, Geschichte der Baukunst, Böhl von Faber's Floresta, Kant's Kritik der reinen Vernunft und in den Mußestunden eine gewisse Francesca von Rimini, die schon bis zum dritten Act gediehen war und mir als Gegengewicht gegen die Alleinherrschaft der reinen Vernunft die besten Dienste leistete. Da ich aber keinem Corps angehörte, kein Kartenspieler war und vor Allem keine lyrischen Gedichte mehr machte – als angehender Dramatiker war ich über diese Schwäche erhaben, – so war der Tag noch immer lang genug, um all jene verschiedenartigen und scheinbar unverträglichen Bestrebungen friedlich unter den einen Hut zu bringen, den ich in sorglosem Uebermuth ziemlich tief im Nacken zu tragen pflegte."
Auszug: "Ich war Student in Bonn, im zweiten Semester. Da es aber schon das sechste meiner ganzen Studienzeit war, hatte ich die tugendhaftesten Entschlüsse gefaßt, ehe mir das Moos gar zu üppig auf dem Scheitel wüchse, der grenzenlosen Zerstreuung meines Dichtens und Trachtens, der ich mich im S...

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Paul Heyse (1830-1914) war ein bedeutender deutscher Schriftsteller, der als erster deutscher Autor den Nobelpreis für Literatur erhielt. Geboren in Berlin, wuchs Heyse in einem intellektuellen Umfeld auf, das seine literarische Karriere maßgeblich beeinflusste. Er studierte Philologie und Kunstgeschichte in Berlin und Bonn und wurde bald Teil des Münchner Dichterkreises, einer Gruppe von Schriftstellern und Künstlern, die die literarische Szene des 19. Jahrhunderts prägten.Heyse war ein Meister der Novelle und trug zur Popularisierung dieser literarischen Form bei. Seine Werke zeichnen sich durch psychologische Tiefe und stilistische Eleganz aus. Besonders bemerkenswert ist seine Fähigkeit, komplexe menschliche Emotionen und soziale Konflikte darzustellen, was ihn zu einem Vorläufer der modernen Psychologie in der Literatur machte.Ein kontroverses Kapitel in Heyses Leben war seine Rolle in der "Kunstperiode" des Naturalismus. Obwohl er selbst kein Naturalist war, unterstützte er junge Autoren dieser Bewegung und trug so zur literarischen Vielfalt seiner Zeit bei. Seine liberalen Ansichten und sein Engagement für die Freiheit der Kunst machten ihn zu einer einflussreichen Figur in der deutschen Literaturgeschichte.Heyses Einfluss reicht weit über seine eigene Zeit hinaus. Er inspirierte zeitgenössische Autoren wie Theodor Fontane und Thomas Mann und bleibt ein wichtiger Bezugspunkt für die Erforschung der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. Seine Werke, die oft die Spannungen zwischen Tradition und Moderne thematisieren, sind auch heute noch von großer Relevanz und bieten wertvolle Einblicke in die menschliche Natur und die gesellschaftlichen Veränderungen seiner Epoche.
Paul Heyse (1830-1914) war ein bedeutender deutscher Schriftsteller, der als erster deutscher Autor den Nobelpreis für Literatur erhielt. Geboren in Berlin, wuchs Heyse in einem intellektuellen Umfeld auf, das seine literarische Karriere maßgeblich beeinflusste. Er studierte Philologie und Kunstg...

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