Das Ânâpânasati-Sutta ist die zentrale Lehrrede des Buddha über die Achtsamkeit auf den Atem und damit der Urtext aller buddhistischen Atem-Meditation. Der Rahmen: Der Erhabene weilt bei Sâvatthî im Osthain, umgeben von seinen bekanntesten Jüngern – Sâriputto, Moggallâno, Kassapo, Anando und vielen anderen –, die ihrerseits jüngere Mönche unterweisen. In der Vollmondnacht nach der Regenzeit wendet er sich an die versammelte Gemeinde, lobt ihre Ernsthaftigkeit und stellt die Übung vor, die er selbst immer wieder als seine eigene bezeichnet hat. Der Kern der Rede sind die sechzehn Schritte der bedachtsamen Ein- und Ausatmung: Der Übende zieht sich zurück, setzt sich mit aufgerichtetem Körper hin und atmet bedachtsam ein und aus. Er weiß, ob der Atem lang oder kurz ist; er erfährt den ganzen Körper beim Atmen und beruhigt das körperliche Geschehen. Dann weitet sich die Übung auf das Fühlen (Heiterkeit, Wohl, das Stillwerden der Regungen), auf das Gemüt (es erheitern, sammeln, befreien) und schließlich auf die Einsicht: Vergänglichkeit, Entreizung, Auflösung, Loslassen – jeweils getragen vom gleichen ruhigen Ein- und Ausatmen. Der zweite Teil der Rede zeigt die innere Architektur der Übung: Die Atemachtsamkeit, geübt und gepflegt, bringt die vier Pfeiler der Einsicht (Körper, Gefühl, Gemüt, Erscheinungen) zur Entfaltung; diese wiederum lassen die sieben Erweckungen reifen – Einsicht, Tiefsinn, Tatkraft, Heiterkeit, Lindheit, Innigkeit und Gleichmut –, und die Erweckungen vollenden "die wissende Erlösung". Eine einzige, schlichte Übung trägt so den ganzen Weg. Diese Ausgabe folgt wortgetreu der klassischen Übersetzung von Karl Eugen Neumann (Die Reden Gotamo Buddhos, Mittlere Sammlung, 118. Rede) – in ihrer eigentümlich rhythmischen, feierlichen Sprache, die Hofmannsthal und Husserl bewunderten und die sich wie geschaffen zum lauten Lesen und Hören anhört. Ein kurzer Text von zeitloser Tiefe: die Quelle der Atem-Achtsamkeit aus erster Hand.
Das Ânâpânasati-Sutta ist die zentrale Lehrrede des Buddha über die Achtsamkeit auf den Atem und damit der Urtext aller buddhistischen Atem-Meditation. Der Rahmen: Der Erhabene weilt bei Sâvatthî im Osthain, umgeben von seinen bekanntesten Jüngern – Sâriputto, Moggallâno, Kassapo, Anando und viel...