Alfred Döblin (1878–1957) gehört zu den eigenständigsten und sprachmächtigsten Stimmen der deutschsprachigen Moderne. In Stettin geboren und in Berlin aufgewachsen, studierte er Medizin und arbeitete lange als Arzt, bevor er sich ganz der Literatur und dem intellektuellen Leben seiner Zeit widmete. Die Erfahrungen aus Klinik, Großstadt und gesellschaftlichem Umbruch prägten sein Schreiben ebenso wie sein Interesse an Psychologie, Technik, Geschichte und den Brüchen der modernen Welt. Döblin wurde vor allem durch seine experimentelle Erzählweise bekannt, in der er unterschiedliche Stimmen, Perspektiven und Sprachregister kunstvoll miteinander verbindet. Er gilt als Meister des modernen Romans, der das Leben der einfachen Menschen ebenso ernst nimmt wie die großen historischen und politischen Zusammenhänge. Seine Werke kreisen um Gewalt, Macht, Identität, religiöse und philosophische Fragen sowie um die Suche des Menschen nach Orientierung in einer zerrissenen Zeit. Auch sein historischer Roman über den Feldherrn Wallenstein zeigt, wie sehr ihn die Dynamik von Herrschaft, Krieg und moralischer Verantwortung beschäftigte. Döblins Bedeutung reicht weit über seine Epoche hinaus: Er machte die deutsche Literatur offener, beweglicher und näher an der Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts, zugleich aber auch tiefer in ihrem Nachdenken über den Menschen. Nach Exil und Rückkehr blieb er ein Autor, dessen Werk von politischer Erfahrung, geistiger Unabhängigkeit und großer formaler Kühnheit lebt. Wer sich für literarische Modernität, historische Konflikte und die innere Zerrissenheit des Menschen interessiert, wird an Alfred Döblin besonders viel Gewinn haben.