Aus diesem groĂen Bestand an Ăberlieferungsmaterial lĂ€sst sich ein kohĂ€rentes Freidankbild abstrahieren, wie es Bestandteil des kulturellen GedĂ€chtnisses der Zeit gewesen sein muss: Freidank wird als AutoritĂ€t behandelt, die auf gleicher Ebene wie weitere Referenzfiguren (die KirchenvĂ€ter, biblische Figuren, antike Autoren) ihren Platz innerhalb eines anerkannten Legitimationssystems hat. Als feste Bedeutungsbestandteile sind mit dieser Instanz "Freidank" die QualitĂ€ten der Wahrheit und GottgefĂ€lligkeit assoziiert. Umgekehrt wird innerhalb dieses kulturellen Systems die Chiffre "Freidank" als fiktive Urheberinstanz auch benutzt, um eben diese QualitĂ€ten auf neue Inhalte zu ĂŒbertragen - eine eigene Textgattung von "Freidanken" - lehrhafte Spruchdichtung mit hohem Wahrheitsanspruch - entsteht.
Ăhnliche Prozesse der Konstruktion eines Autorprofils im kulturellen GedĂ€chtnis lassen sich vergleichend bei der Rezeption Wolframs von Eschenbach und Neidharts feststellen. Auch hier existieren Autorenbilder, die den Rezipienten der Werke bekannt waren und die spĂ€tere Deutung beeinflusst haben.