Romain Rolland (1866–1944) war ein französischer Schriftsteller, Historiker und engagierter Humanist, dessen Leben und Werk eng mit den geistigen Erschütterungen seiner Zeit verbunden sind. Nach Studien in Paris und einer frühen Tätigkeit als Lehrer und Kulturhistoriker wandte er sich der Literatur zu und machte sich zunächst mit groß angelegten historischen und biografischen Arbeiten einen Namen, bevor er als Romancier und Essayist weit über Frankreich hinaus bekannt wurde. Rolland verstand Literatur nie als bloße Kunst des Erzählens, sondern als moralische und gesellschaftliche Aufgabe: Er setzte sich leidenschaftlich für Frieden, internationale Verständigung und die Würde des Einzelnen ein, besonders in den Jahren des Ersten Weltkriegs, als er gegen den nationalistischen Taumel Stellung bezog. Seine Texte kreisen um Gewissen, Verantwortung, geistige Unabhängigkeit und die Frage, wie ein Mensch in Zeiten politischer und moralischer Verrohung Mensch bleiben kann. Gerade darin liegt seine anhaltende Aktualität: Rollands Denken spricht auch heutige Leser an, die nach Orientierung in einer konfliktreichen Welt suchen und sich für die Spannung zwischen persönlicher Integrität und gesellschaftlichem Druck interessieren. Sein literarisches Erbe besteht in der Verbindung von erzählerischer Kraft, ethischer Klarheit und europäischem Humanismus; wer sich für moralisch wache Literatur, politische Gewissensfragen und die Stimme eines unabhängigen Geistes interessiert, wird an Rolland besonders viel Gewinn finden.