H. C. Andersen, geboren 1805 in Odense und 1875 in Kopenhagen gestorben, gehört zu den prägenden Gestalten der Weltliteratur. Aus einfachen Verhältnissen stammend, führte ihn sein Weg über eine von Entbehrungen und Hoffnungen geprägte Jugend in die literarische Öffentlichkeit, wo er sich zunächst als Lyriker, Reiseschriftsteller und Dramatiker versuchte, bevor ihm mit seinen kunstvoll verdichteten Erzählungen der große Durchbruch gelang. Seine besondere Leistung liegt darin, das Märchen zu einer literarischen Form von tiefer psychologischer und poetischer Kraft erhoben zu haben: In seinen Geschichten verbinden sich kindliche Unmittelbarkeit, feine Ironie, Melancholie und ein scharfer Blick auf soziale Ungleichheit, Vergänglichkeit, Außenseitertum und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Gerade deshalb wirken seine Texte bis heute erstaunlich modern, weil sie nicht nur von Zauber und Verwandlung erzählen, sondern auch von Verletzlichkeit, Selbstsuche und dem Wunsch, in einer oft kalten Welt menschliche Würde zu bewahren. Andersens Werk hat Generationen von Leserinnen und Lesern geprägt und den europäischen Märchenschatz nachhaltig erweitert; seine Figuren und Motive sind längst Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden. Wer literarische Fantasie mit emotionaler Tiefe schätzt, wer in Geschichten nicht nur Unterhaltung, sondern auch Lebensklugheit und leise Wahrheit sucht, wird an Andersen besonders viel Freude haben.