Theodor Mommsen (1817–1903) gehört zu den bedeutendsten Gelehrten des 19. Jahrhunderts und prägte die moderne Altertumswissenschaft wie kaum ein anderer. Der in Garding geborene Sohn eines lutherischen Pastors studierte zunächst Rechtswissenschaften, wandte sich dann aber mit großer Leidenschaft der Geschichte, Philologie und Epigraphik zu. Nach akademischen Stationen in Deutschland, der Schweiz und Italien wurde er zu einem der führenden Kenner der römischen Antike und verband wissenschaftliche Akribie mit einem lebendigen, kraftvollen Stil. Berühmt wurde er vor allem durch seine umfassende Darstellung der römischen Geschichte, seine Arbeiten zur lateinischen Inschriftenkunde und seine maßgebliche Rolle in der systematischen Erschließung antiker Quellen. Mommsens Werk zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Verbindung von Detailgenauigkeit und großem historischen Panorama aus; er fragte nicht nur nach politischen Ereignissen, sondern auch nach den Strukturen von Macht, Recht und Gesellschaft. Gerade darin liegt seine anhaltende Aktualität: Seine Texte zeigen, wie eng politische Ordnung, soziale Konflikte und kulturelle Identität miteinander verflochten sind. Als engagierter Liberaldenkender und später auch als politisch aktiver Reichstagsabgeordneter war Mommsen zudem ein Intellektueller, der Wissenschaft und Gegenwart nicht voneinander trennte. Sein Erbe wirkt bis heute in der Geschichtswissenschaft, der Rechtsgeschichte und der klassischen Philologie fort. Wer sich für die Antike, für die Entstehung historischer Großdeutungen und für einen Autor interessiert, der Gelehrsamkeit mit geistiger Spannung verbindet, wird Mommsen mit Gewinn lesen.