Ein großer Teil dessen, was Menschen über die Welt wissen, stammt aus Mitteilungen anderer. Eltern, Lehrer, Nachrichtenmedien und vertraute Personen vermitteln Erfahrungen und Tatsachen, die sich im Alltag nur selten selbst überprüfen lassen. Dieses notwendige Vertrauen schafft Orientierung. Es eröffnet aber auch Möglichkeiten der Täuschung. Eine Behauptung kann glaubwürdig erscheinen, weil sie zu vorhandenen Erwartungen passt, von einer vermeintlichen Autorität stammt oder bereits vielfach wiederholt wurde. Später bleibt mitunter die Aussage im Gedächtnis, während ihre Herkunft verblasst. Aus übernommener Information wird dann eine eigene Überzeugung. Die Voraussetzungen dafür sind älter als der Begriff ›Fake News‹. Seit Menschen Nachrichten austauschen, können Irrtum, bewusste Irreführung und das Bedürfnis nach Bestätigung ihre Wahrnehmung prägen. Mit Zeitung, Rundfunk, Fernsehen und digitalen Netzwerken veränderten sich Reichweite, Geschwindigkeit und Erscheinungsform. Die als Nachricht verkleidete Falschbehauptung erhielt neue Wege zu ihrem Publikum. Nicht jede falsche Aussage ist dabei gezielte Desinformation, und nicht jede zunächst unglaubwürdige Aussage ist falsch. Auch zutreffende Informationen können so ausgewählt oder präsentiert werden, dass sie einen irreführenden Eindruck hinterlassen. Die Geschichte von Fake News ist deshalb auch eine Geschichte menschlicher Urteilsbildung. Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen, unter denen Informationen angenommen, weitergegeben und gegen Zweifel verteidigt werden: Vertrauen und Eitelkeit, Hoffnung und Unsicherheit, die Wirkung von Mehrheiten und die Anziehungskraft scheinbarer Gewissheit. Politische und wirtschaftliche Interessen können diese Mechanismen nutzen, ohne sie geschaffen zu haben. Dabei entsteht eine Spannung, die weit über einzelne Falschmeldungen hinausreicht. Denn die entscheidende Veränderung geschieht nicht immer in der Nachricht selbst, sondern häufig im Urteil dessen, der sie empfängt.
Ein großer Teil dessen, was Menschen über die Welt wissen, stammt aus Mitteilungen anderer. Eltern, Lehrer, Nachrichtenmedien und vertraute Personen vermitteln Erfahrungen und Tatsachen, die sich im Alltag nur selten selbst überprüfen lassen. Dieses notwendige Vertrauen schafft Orientierung. Es e...