Karl May (1842–1912) gehört zu den populärsten und zugleich schillerndsten Erzählern der deutschen Literatur. Aus einfachen Verhältnissen stammend, erlebte er eine von Brüchen, Entbehrungen und Irrwegen geprägte Jugend, bevor er sich als Schriftsteller durchsetzte und mit seinen Abenteuererzählungen ein Millionenpublikum erreichte. Berühmt wurde er vor allem durch seine weitgespannten Reise- und Abenteuerromane, in denen er ferne Länder, gefährliche Begegnungen und moralische Bewährungsproben so lebendig schilderte, dass Generationen von Leserinnen und Lesern sich in exotische Welten versetzen ließen. Hinter dem spannenden Erzählen stehen jedoch nicht nur Unterhaltung und Fantasie, sondern auch ein starkes Interesse an Menschlichkeit, Freundschaft, Gerechtigkeit und der Suche nach Orientierung in einer komplexen Welt. Gerade darin liegt bis heute seine Wirkung: Mays Texte spiegeln Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer, aber auch die Fragen nach kultureller Begegnung, Vorurteil und Verständigung, die uns weiterhin beschäftigen. Sein literarisches Erbe ist tief in der deutschsprachigen Populärkultur verankert und hat das Bild ferner Länder ebenso geprägt wie das Genre des Abenteuerromans selbst. Wer Geschichten mit Spannung, Pathos und moralischem Kern schätzt, wird an Karl May noch immer besondere Freude haben.