werkimmanente Methode anlehnt, und in deren Vordergrund
drei Ostmärchen und drei Westmärchen stehen, thematisiert
gemeinsame archetypische Wurzeln in den Märchen „Der
kleine Prinz“, „Hans und die Bohnenranke“ und „Der Teufel
mit den drei goldenen Haaren“, die den Okzident repräsentieren,
und in den orientalischen Märchen „Keloğlan und die drei
Zauberfeder“, „Aladdin und die Wunderlampe“ und „Die drei
Zitronenmädchen“. Die Frage nach der Rolle des Märchens im
Prozess der Wiederspiegelung des kollektiven Unbewussten ist
von großem Interesse, weil Märchen das Wissen des kollektiven
Unbewussten des Menschen enthalten und sie fungieren,
wie Träume für das Unbewusstsein. Aus diesem Grund ist
es bei Märchenforschungen unerlässlich, neben ästhetischer
Dimension des Märchens auch seine archetypische Dimension
zu berücksichtigen.
Der erste Teil dieser Arbeit widmet sich der terminologischen
Klärung und stilistische/gattungsspezifische Merkmale des
Märchens. Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass alle Märchen,
die bekanntlich mit „Es war einmal…“ anfangen und mit
„Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“
enden, das Abenteuer eines Helden in einem unbekannten Ort,
der die universale Ethik und Moral repräsentiert, zur Sprache
bringen. Auch beim Handlungsverlauf des Märchens geht es
um die gleiche Universalität. Die abenteuerliche Heldenreise
des Märchenhelden kreist in gleicher Art und Weise. Der
Held, der sich auf den Weg macht, um etwas Fehlendes zu
suchen, muss auf dem Weg der Prüfungen einige Prüfungen überwinden. Dabei bekommt er natürlich Hilfe von einigen
übernatürlichen Kräften. Somit findet er das, was er sucht,
und endlich gelangt er zum wahren Glück.
Im Fokus des zweiten Kapitels steht die Frage, worauf der
Ursprung des Märchens zurückzuführen ist. Die Antwort
auf diese Frage lautet, dass das Märchen entweder eine
unwandelbare Urform, die in einem bestimmten Ort entstand,
oder ein Produkt von ähnlicher Denkweise der verschiedenen
Kulturen ist. In dieser Entstehungstheorie des Märchens stehen
zwei Aspekte im Vordergrund: monogenetische Theorien und
polygenetische Theorien. Zur Gruppe der Monogenese, die auf
die Annahme beruht, dass Märchen von einer Urform stammt
und sich durch Wanderbewegungen die ganze Welt verbreitet
hat, gehören die indogermanische Theorie und die indische
Theorie. Zur Gruppe der Polygenese, die im Unterschied zur
Monogenese von der Grundannahme ausgeht, dass Märchen
zwar unabhängig voneinander entstanden, aber ähnliche Motive
und Handlungsablaufe haben, weil menschliche Denkformen
universell sind, gehören die anthropologische Schule und die
finnische Schule.
Das dritte Kapitel befasst sich mit den wissenschaftlichen
Märchentheorien wie Lüthis strukturalistische Ästhetik, Jolles‘
einfache Formen, Propps morphologische Methode, Röhrichs
volkskundliche Untersuchung, Bettelheims pädagogische Arbeit
mit Märchen, Freuds psychoanalytische Märchendeutung und
Jungs archetypische Theorie. Weil die vorliegende Arbeit sich mit
der archetypischen Analyse der Märchen auseinandersetzt, geht
der folgende Abschnitt, der mit „Archetypische Dimension von
Westmärchen“ betitelt ist, die Frage nach, welche archetypische
Symbole in den Westmärchen versteckt sind. Ziel der Arbeit
hier ist die gemeinsame archetypische Grundstruktur in den
okzidentalischen Märchen wie „Rotkäppchen“, „Aschenputtel“,
„Rapunzel“ und „Dornröschen“ festzustellen.
İnci Aras studierte von 2006 bis 2011 Germanistik an
der Universität Sakarya und in Germanistik erhielt sie 2012
ihr Masterdiplom. Sie promovierte 2017 in Vergleichender
Literaturwissenschaft der Universität Eskişehir Osmangazi, wo
sie sich mit der existentiellen Philosophie und Literatur intensiv
beschäftigte. In diese Zeit fällt die Publikation ihres Werkes
„Edebiyatta Bir Motif Olarak İğrenilen Kimlikler: Varoluşçuluk
Bağlamında Karşılaştırmalı Bir Çalışma“ (Verscheuchte Identitäten
als literarisches Motiv: Eine komparative Analyse in Bezug auf
Existentialismus). Seit 2011 unterrichtet Aras an der Hochschule
für Fremdsprachen der Universität Anadolu.